Im Oktober 2011 feiert die Juristische Fakultät der Universität Rostock den 20. Jahrestag ihrer Wiedereröffnung mit einer 2tägigen Jubiläumsveranstaltung. Am zweiten Tag (22. Oktober 2011, leider ein Samstag) findet eine hochkarätig besetzte Tagesveranstaltung zum Thema

Die Zukunft der
Juristenausbildung

Inhalte und Strukturen einer grundlegenden
Reform

statt. Durch den Tag führt der Dekan der juristischen Fakultät Herr Prof. Dr. Jörg Benedict. Zur Eröffnung des Tages spricht Prof. em. Dr. Uwe Wesel, Berlin, über die Geschichte der Juristenausbildung. Am Nachmittag gibt es dann noch zwei Runden Podiumsdiksussion mit den Themen „Die Bildung der Juristen – die inhaltliche Seite der Debatte“ und „Die Ausbildung der Juristen – die strukturelle Seite der Debatte“.

Interessenten werden gebeten, sich bis zum 30. September 2011 per Email über juristenausbildung@uni-rostock.de oder auf dem Postweg anzumelden: Universität Rostock, Juristische Fakultät, Möllner Straße 10, 18109 Rostock. Es wird ein Tagungsbeitrag von 60 Euro erhoben.

Weitere Einzelheiten zu der gesamten Jubiläumsveranstaltung und zu der Tagung über die Zukunft der Juristenausbildung gibts im Internet unter der Adresse http://www.juf.uni-rostock.de/jubilaeum/. Das Programm kann auch hier als pdf-Datei (Tagungsflyer) runtergeladen werden oder über meinen Google-Docs-Account frei zugänglich betrachtet (und natürlich auch runtergeladen) werden.

In dem Programm wird die Veranstaltung wie folgt angekündigt:

„Die Nation ist der wissenschaftlichen Juristen überdrüssig” – Julius von Kirchmanns berühmtes Verdikt von 1847 erscheint angesichts gegenwärtiger Debatten um die Wissenschaftlichkeit der Jurisprudenz aktueller denn je. Dies gibt Anlass, die Ziele und Inhalte der Juristenausbildung neu zu reflektieren. Die Lösung von Fällen etwa lebt von ständiger Reproduktion. Ist diese Tätigkeit jemals mit Kriterien von „Wissenschaft” zu vereinbaren? Welche neuen Erkenntnisse erarbeitet ein Jurist? Wie innovationsfähig darf er überhaupt sein? Muss er sich interdisziplinär vernetzen? Kann er sich auf den nationalen Raum beschränken – und wenn nicht: Wieviele Rechte muss er kennen – welche? Wie wichtig sind juristische Grundlagen, und über welche Kompetenzen sollte er in einer stetem Wandel unterliegenden Welt verfügen? Muss er zum Richter ausgebildet werden oder zum Anwalt? Was genau heißt das? Wie sieht das Leitbild des idealen Juristen für das 21. Jahrhundert aus? Und wird die gegenwärtige deutsche Juristenausbildung diesen Herausforderungen gerecht? Diese und andere Fragen sollen von Fachleuten diskutiert und danach der allgemeinen Debatte übergeben werden.

Die Wahl des Tagungsthemas ist insofern bemerkenswert, als die Juristische Fakultät der Universität Rostock erst kürzlich durch das zuständige Ministerium in Schwerin aufgrund finanzieller Überlegungen gezwungen wurde, die Ausbildung von Juristen bis zum Ersten Staatsexamen aufzugeben; damit ist sozusagen das Brot-und-Butter-Geschäft der letzten 20 Jahre weggefallen. Nun versucht man in der Fakultät aus der Not eine Tugend zu machen und will mit einem neuen Studiengang auf dem (teil-)liberalisierten Bildungsmarkt für akademische Abschlüsse Flagge zeigen und Profil gewinnen. Der neue Studiengang ist ein vierjähriger interdisziplinären Bachelor-Studiengang mit dem Titel „Wirtschaft, Gesellschaft, Recht – Good Governance“ .

Es freut einen beobachten zu können, dass es der Fakultät gelungen ist, die Schockstarre der ersten Monate nach dem diktierten Aus für die juristische Ausbildung zum Staatsexamen zu überwinden, und die ersten Gehversuche hören sich spannend an. Und dann sich gleich noch das Thema Juristenausbildung mit einer eigenen Tagung vorzunehmen, zeugt von neuer Aufbruchstimmung, darf aber gleichzeitig wohl auch als eine verklausulierte kritische Botschaft in Richtung Landeshauptstadt Schwerin verstanden werden.

Share
Tagged with:
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



Urheberrecht

Die Texte auf dieser Seite stehen - wenn nicht anders angegeben - unter der Creative-Commens-Lizenz "CC BY-SA 3.0", die eine weitgehend freie Weiterverwendung der Texte erlaubt. Das ist die Lizenz unter der inzwischen auch die Artikel auf der deutschen Wikipedia veröffentlicht werden. Wegen Einzelheiten vergleiche hier: "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz" Creative Commons Lizenzvertrag

Zwei Juristen – Drei Meinungen

Frage zwei Juristen nach der Antwort auf eine konkrete Frage und du bekommst mindestens drei Antworten. - Diese immer wieder kolportierte Erfahrungstatsache ist sicherlich kein Ruhmesblatt für unseren Berufsstand.
Ich muss daher eindringlich davor warnen, wichtige und weitreichende Entscheidungen allein von Ansichten oder Standpunkten abhängig zu machen, die man hier auf dieser Webseite finden kann.
Wer wichtige und weitreichende Entscheidungen treffen muss, die auch von der Rechtslage abhängen, sollte sich unbedingt professionell beraten lassen, denn nur im Rahmen der juristischen Beratung kann man im Dialog alle Besonderheiten des Einzelfalles herausarbeiten und berücksichtigen und dann im Ergebnis tatsächlich den einen richtigen Ratschlag geben.
Diese Webseite kann nur dabei helfen, ein Bewusstsein für die rechtlichen Hintergründe bestimmter Konflikte zu entwicklen und - so jedenfalls meine Hoffnung - zu verstehen, wie Juristen sich der richtigen Lösung des Konflikts nähern.